Bulletin zum Wochenabschnitt

Ich will helfen

Helfen Sie uns, Torah weltweit zu verbreiten

Wir sind mit verbundenen:

MASA.gif

register



G - PARSCHAT MIKEZ



description:  MACHON MEIR
DAS ZENTRUM FÜR JÜDISCHE STUDIEN IN ISRAEL
Anschrift: Sderot Hame'iri 2, Kirjat Mosche
IL - 91032 Jerusalem ISRAEL Tel. +972 2 6511906
Fax +972 2 6514820 www.machonmeir.org.il

Redaktion und Übersetzung der deutschen Ausgabe: R. Plaut
Telefax: (+972 2) 6519 780
e-mail: kimizion@012.net.il
Internet: www.kimizion.org
Kostenloser Antwortservice "Frag' den Rabbi"

Betrachtungen zum Wochenabschnitt
"Be'Ahawa ube'Emuna"
PARSCHAT MIKEZ

Nr. 545
30. Kislev 5766


Diese Woche in der Tora (Gen. 41,1 - 44,17):
Pharaos Träume und Josefs Deutung: 7 fette und 7 Hungerjahre, Josef Vizekönig, Anlage von Vorratsspeichern, Neuordnung der ägyptischen Wirtschaft, Josefs Brüder kommen, Getreide zu kaufen, erkennen ihn aber nicht.

Schabbat Chanukka und Rosch Chodesch!


Am Schabbes-Tisch...
Draußen vor der Tür
Rav Asri'el Ari'el
(Ortsrabbiner der Siedlung "Ateret")


Drei verschiedene Möglichkeiten wurden bei den Regelungen für das Anzünden der Chanukka-Lichter genannt: "Die Chanukka-Leuchte: Das Gebot lautet, sie von draußen am Tore seines Hauses aufzustellen. Wenn er in einem der oberen Stockwerke wohnt [d.h. höher als Erdgeschoß], stellt er sie ans Fenster zur Straße. Und in der Stunde der Gefahr [Judenverfolgung] - stellt er sie auf seinen Tisch und hat damit Genüge getan".

Der Chanukka-Leuchter symbolisiert das Licht des jüdischen Glaubens, dessen Aufgabe in der Erleuchtung der Welt in der Finsternis besteht, die von der hellenistischen Kultur ausgeht. Im Idealfall soll man das Licht draußen vor dem Tor anzünden und das Licht des Glaubens auf alle Kulturen und alle Wissensgebiete der Welt ausstrahlen. Allerdings nicht immer, und nicht um jeden Preis. Mancher "wohnt in den oberen Stockwerken", und mancher befindet sich in der "Stunde der Gefahr". Um den Dingen auf den Grund zu gehen, wollen wir einen Blick in das Gesetzeswerk des Rabbi Moscheh ben Maimon werfen ("Maimonides", Mischne Tora, Gesetze vom Götzendienst 2.Kap.):
"Viele Werke verfaßten die Götzendiener über ihren Dienst... gebot uns der Heilige, gelobt sei sein Name, in jenen Büchern überhaupt nicht zu lesen, nicht darüber [über diesen Götzendienst] zu denken, nicht einmal über irgendeine Einzelheit... Und nicht nur Götzendienst... sondern jede Idee, die den Menschen veranlaßt, eines der Prinzipien der Tora zu entfernen, sind wir gewarnt, nicht in Erwägung zu ziehen... und man denkt und läßt sich von den Überlegungen des Herzens fortreißen. Weil der Verstand des Menschen kurz ist, und nicht jeder Verstand vermag der Wahrheit vollständig auf den Grund zu gehen; und wenn jeder Mensch den Überlegungen seines Herzens folgte, zerstörte er die Welt wegen der Kürze seines Verstandes... er weiß nicht das rechte Maß, danach zu urteilen, bis er sich mit der Wahrheit vollkommen vertraut gemacht hat, und so gelangt er zur Ketzerei. Und vor dieser Sache warnte uns die Tora, und es heißt dabei: 'und ihr nicht nachspähet eurem Herzen'...".

Nach Maimonides' Ansicht besteht ein Verbot gegen die Erwägung ketzerischer Gedanken und gegen das Lesen von Büchern, die zu solchen Gedanken führen. Hier geht es nicht um einen guten Rat zur Erziehung, sondern um ein vollgültiges Verbot der Tora, wie es heißt: "und ihr nicht nachspähet eurem Herzen" (Num. 15,39). Dazu stellt sich sofort die Frage: Wie konnte demnach Maimonides sein großes Werk verfassen, den "Führer der Unschlüssigen", wo er sämtliche ketzerischen Ideologien seiner Zeit aufführt mitsamt ihren Grundgedanken, und sich dann mit einer nach der anderen auseinandersetzt? Die Antwort, er war gezwungen, den "Unschlüssigen" seiner Zeit spirituelle Anleitung zu geben, ist etwas schwach angesichts eines ausdrücklichen Toraverbotes. Andererseits kann sich Maimonides auf bekannte Gesetze stützen, die auf die talmudischen Weisen zurückgehen und an mehreren Stellen im Talmud erwähnt werden: "lerne nicht den Greueln der Völker gleichtun - wohl aber darfst du es des Wissens wegen und des Lehrens wegen lernen" (Schabbat 75a, Rosch Haschana 24b u.a.). Demnach besteht kein Verbot im Lernen des "Greuels der Völker", wenn dies der religionsgesetzlichen Entscheidungsfindung dient. Dasgleiche gilt für die ideologische Auseinandersetzung, wie es in der Mischna heißt: "Sei wachsam, Tora zu lernen, wisse, was du dem Abtrünnigen erwiderst" ("Sprüche der Väter" 2.Kap.).

Wir müssen also daraus schließen, daß das Verbot des Lernens von antireligiöser Literatur vom Zusammenhang abhängt. Wenn das Ziel in der aktiven Auseinandersetzung besteht, und auch das Lernen selber in der passenden Weise stattfindet - ist es nicht verboten. Maimonides drückt sich in dieser Sache sehr exakt aus: Er verbietet "jede Idee, die den Menschen veranlaßt, eines der Prinzipien der Tora zu entfernen", aber nicht alle Ideen. Gleichfalls warnt er vor einem Zustand von "er weiß nicht das rechte Maß, danach zu urteilen, bis er sich mit der Wahrheit vollkommen vertraut gemacht hat". Wer aber die antireligiösen Ideologien mithilfe des "Führers der Unschlüssigen" lernt, der ihn auf dem Wege der Wahrheitsfindung anleitet, begeht kein Verbot, im Gegenteil, er erfüllt die Weisung "wisse, was du dem Abtrünnigen erwiderst".

Diese Anleitung, sich mit feindlichen Ideologien zwecks Auseinandersetzung zu beschäftigen, betrifft im Wesentlichen die Größen und die Lehrer der Nation, zu deren Aufgaben die "Führung der Unschlüssigen" gehört. Es gibt aber auch Zeiten, in denen diese Auseinandersetzung auch einfache Menschen mit einbezieht. So schrieb Raschi in seinem Torakommentar zum Vers: "lerne nicht den Greueln der Völker gleichtun" (Dt. 18,9) - "du darfst aber lernen, zu verstehen und zu belehren; d.h., zu verstehen, wie verdorben ihre Werke; und deine Kinder zu belehren: tue nicht soundso, weil dies eine Satzung der Heiden ist".
Ein Vater, der seine Kinder in nichtjüdischer Umgebung großzieht, muß ihnen die Fähigkeit vermitteln, zwischen den Taten ihrer Nachbarn zu unterscheiden, zwischen positiven Dingen, die zur Nachahmung empfohlen sind, und zwischen negativen Dingen, die den Gesetzen des Götzendienstes entstammen. Darum muß er sich ein wenig in diesen Dingen auskennen, um seinen Kindern den rechten Weg weisen zu können.

Dieser Vater - und überhaupt jedermann in unserer Generation - gleicht jemandem, "der im Erdgeschoß zur Straße hin wohnt". Das Licht seines Glaubens lasse er draußen vom Tore seines Hauses aus leuchten. Es strahle aus in die Finsternis der Auflehnung, er setze sich damit aktiv auseinander und erleuchte selbst diese Finsternis mit seinem kleinen Chanukka-Leuchter. Er muß sich nur vorsehen - wenn er das Gebot regelrecht erfüllen will, muß er die Öllichter in einen schützenden Glaskasten stellen, damit sie von den Winden der Umgebung nicht ausgeblasen werden.

Daneben gibt es noch einen anderen Menschen. Er wohnt nicht in einem niedrigen Einfamilienhaus, sondern in einem der oberen Stockwerke, in einigem Abstand vom lauten Treiben der Straße. Er braucht nicht herabzusteigen, um dort das Licht seines Glaubens zu zünden. Zwar muß auch er sich mit den Winden der Umgebung auseinandersetzen; doch kann er dies von einem erhöhten Standpunkt aus und mit einigem Abstand tun, vom Fenster des oberen Stockwerkes. Wenn er nicht "dem Abtrünnigen zu erwidern" braucht, hat er keinen Grund, und wohl auch keine Erlaubnis, auf fremden Wiesen zu weiden, wobei er sich vom warmen und lichten Hause entfernen müßte.

Und dann gibt es noch die "schweren Zeiten". Draußen wehen stürmische Winde. Vor uns "die Stunde der Gefahr", die die winzigen Lichtchen des Glaubens-Leuchters bedrohen. Dann kann sich der jüdische Mensch nur ins Innere seiner Stube zurückziehen und dort das Licht des Glaubens vom Tische aus leuchten lassen, womit er seiner Pflicht Genüge getan hat. Das ist nicht gerade der Idealzustand, sondern die Stunde der Not, die den Geist und das Bewußtsein in schmerzlich enge Gassen nötigt.

Der Zustand jedoch, den wir anstreben, ist das Licht von draußen vor dem Tor des Hauses, das die ganze Welt erleuchtet.

"Steh' auf, leuchte, denn es kommt dein Licht, und die Herrlichkeit des Ewigen strahlt auf dich. Denn siehe, Finsternis bedeckt die Erde und Wolkendüster die Völker, - doch auf dich wird der Ewige strahlen, und seine Herrlichkeit wird über dir erscheinen. Und es wandeln Nationen bei deinem Lichte, und Könige bei deinem Strahlenglanze" (Jeschajahu 60,1-3).



HaRav Aviner
Sei nicht deprimiert
Rav Schlomo Aviner


Eine Bitte an dich, hör auf mit deinen Moralpredigten im Stile von "Sei nicht deprimiert! Warum bist du so traurig, so ängstlich? Warum bist du apathisch? Dazu gibt es gar keinen Grund! Mit dir ist alles in Ordnung, du hast gar nichts, du bildest dir das alles bloß ein, du bist bloß deprimiert, das ist alles, also reiß dich zusammen. Ich versuche, dir zu helfen, und wenn du nicht kooperierst, dann bist du wohl nur verwöhnt".

Mit all diesem Gerede hilfst du mir wirklich gar nicht, du machst es nur noch schlimmer. Wenn man dich nur reden hört, kann man schon in Depressionen verfallen.

Glaubst du wirklich, es macht Spaß, mit Depressionen zu leben? Daß ich mir das ausgesucht habe? Diese Krankheit macht mich fertig, raubt mir alle meine Kräfte. Ja, das ist eine Krankheit, eine echte Krankheit, eine Krankheit im Kopf, eine grausame Krankheit, die jeden positiven Winkel verdunkelt, die mich beschämt, weil man auf mich herabschaut; nicht wie bei Jemandem, der an Herzkrankheit oder an der Leber oder an der Lunge leidet.

Wie kannst du behaupten, ich würde nicht kooperieren?! Ich habe wirklich alles versucht, Medikamente, psychologische Behandlung, Selbsthilfegruppen und rabbinische Beratung. Wirklich alles. Ich habe nicht aufgegeben, ich kämpfe weiter. Ich lasse mich nicht unterkriegen.

Darum verurteile nicht deinen Nächsten, bis du nicht an seiner Stelle warst. Mit nur einer geringen Kenntnis von meiner inneren Welt würdest du mich schätzen und würdigen lernen. Ja, ich sage das ohne Eitelkeit: Ich bin stark, ich kann kämpfen, kämpfen, kämpfen. Weißt du denn, wieviel seelische Kräfte nötig sind, um Selbstmordgedanken zu verdrängen? Du kämpfst nicht mal halb so viel wie ich, vielleicht ein Zehntel. Für die Ausführung selbst der einfachsten, alltäglichsten Arbeit muß ich mehr Energien aufbringen als du in einer ganzen Woche. Darum halte bitte den Mund.

Alle deine Moralpredigten helfen mir nicht weiter. Ich habe die Hoffnung nicht aufgegeben. Ich kenne Leidensgenossen, die vollkommen gesund wurden, jeder auf seine Weise. Auch ich habe manchmal gute Tage, und ich komme durch hartnäckigen Kampf langsam aber sicher voran.

Was ich wirklich brauche, sind Freundschaft, eine gute persönliche, intime Beziehung. Könnte ich sie doch nur in meiner eigenen Familie finden. Ich glaube, wenn meine Familie mehr Wärme für mich zeigte, würde mir das alles gar nicht passieren. Ohne die Entfremdung meiner Freunde auch nicht. Ich lebe in einer kalten und fremden Welt, das treibt mich in den seelischen Zusammenbruch. Mein größter Feind: die Isolation.

Wenn du mir also helfen möchtest, sei mein Freund, ein echter Freund, und ich werde dir mein ganzes Leben lang dankbar sein. Freundschaft - so lautet die Parole. Ja, mein Freund - hier geht es um Liebe.

Auch der Glaube an G~tt hilft mir sehr. Würde ich nicht an die Güte G~ttes glauben, wäre ich vollkommen kopflos. Ein Glück, daß G~tt sich nicht über mich lustig macht, sondern mich immer liebhat und an mich glaubt.



Weitere Kommentare von Rabbiner Schlomo Aviner zu aktuellen Themen auf hebräisch im Internet (audio/online):
www.ateret.org.il
www.a7.org
>auch englisch- und russischsprachige Sendungen und Nachrichten aus Israel


Internet:
"Schall und Ru'ach" - Kurze Vorträge von Rabbiner Schlomo Aviner auf hebräisch zu den verschiedensten Themen, zum Zuhören online: www.kimizion.org/h.html
-auch Video
Rabbiner Aviner online auf französisch:
www.kimizion.org/zrf.html


Radio "Reschet Moreschet" - Hören Sie Rabbiner Aviners Fragestunde live vom Internet und stellen Ihre Frage per Telefon:
(+972 2) 5302685, jede Woche Do. 22.30-24.00 israelische Zeit (nur hebräisch!)
http://media.iba.org.il

Desgleichen Radio "Kol-Chai", Di. 23.00-24.00,
Tel. (+972) 50 800 93 93
http://kolchai.moreshet.co.il/web/index.asp


"Jerusalem Reclamation Project"
Jüdische Besiedlung ehemals jüdischen Eigentums in Jerusalem - Ateret Kohanim
www.kimizion.org/athisd.html

Lichterzünden/Schabbatausgang in:
Jerusalem: 16.08/17.24
Tel Aviv: 16.26/17.26
Haifa: 16.16/17.23


MACHON MEIR
Jüdische Studien in Hebräisch und Englisch in jeder Schwierigkeitsstufe, Anfängerkurse auch in Russisch, Französisch, Spanisch/Portugiesisch
Tanach, Mischna, Gemara, Themen der jüdischen Weltanschauung
-gelockerte Atmosphäre
-religiöser Zionismus
-Emuna nach den Lehren Rav Kuks
-Ulpan Giur

SPENDEN
per Überweisung an:
Machon Meir, Konto Nr. 4-16179-3
bei Postal Bank, Jerusalem,
oder per Scheck direkt an:
MACHON MEIR
P.O.B. 34107
JERUSALEM 91340
ISRAEL
oder per Kreditkarte nach telefonischer Absprache mit dem Büro von Machon Meir
02-6537898
Jeder, der Machon Meir spendet, mehrt Liebe und Glauben




  • date: Montag, den 26. Dezember 2005 um 00:00 Uhr / כ"ה כסלו תשס"ו
  • Kategorie: Betrachtungen zum Wochenabschnitt
  • Rabi: Das Blatt zum Wochenabschnitt
  • Views: 2164
More lessons on the same subject - Betrachtungen zum Wochenabschnitt