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G - PARSCHAT KI-TISSA



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Betrachtungen zum Wochenabschnitt
"Be'Ahawa ube'Emuna"
PARSCHAT KI-TISSA

Nr. 556
18. Adar 5766


Diese Woche in der Tora (Ex. 27,20 - 30,10):
Die Priester - Ahron und seine Söhne; Priesterkleidung und -ausstattung; besondere Opfer und Amtseinführung; das tägliche Opfer; Opferdienst nur im Heiligtum und nur durch Priester; der Räucheraltar und der Dienst des Räucherwerkes im Heiligtum.

Schabbat Para


Am Schabbes-Tisch...
Die Gebotstafeln und ihre Seele
Rav Iti'el Ari'el
(Gemeinderabbiner in Bet Schemesch)


Die große Krise um die Sünde vom goldenen Kalb, und ihre zeitliche Nähe zur Übergabe der Tora am Sinai, beschäftigte stark unsere frühen Rabbiner, von denen wir die ideellen Grundlagen des Glaubens lernen, besonders von Rabbiner Moscheh ben Nachman ("Nachmanides") und Rabbi Jehuda Halevi (Autor des "Kusari"). Ihre rechtfertigenden Worte über das Volk Israel im Allgemeinen lassen die Geschichte vom goldenen Kalb in etwas ausgewogenerem Licht erscheinen, als es sich aus erster Lesung des Textes ergibt. Worin genau bestand die Sünde, und wer waren die Sünder? Was brachte sie dazu? Was unterscheidet die irrige Auffassung der Kalbsdiener vom Ketzertum der Götzendiener in allen Generationen?

Der Natur der Dinge entsprechend konzentriert sich die Untersuchung auf ein historisches Ereignis der Vergangenheit, doch zwischen den Zeilen offenbart sich ein zentrales Prinzip des jüdischen Glaubens und der Tora.

Die ständige Spannung zwischen den existenziellen Notwendigkeiten und den geistigen Bestrebungen im Leben eines einzelnen Menschen finden wir auch bei verschiedenen Werten der Tora. Die Seele des Menschen strebt immer nach spiritueller Vollkommenheit, und selbst in der Stunde des Versagens und der Strafe wäre es falsch, seine Persönlichkeit nur nach seinen Taten zu beurteilen und als einziges Kriterium das praktische Ergebnis gelten zu lassen. Obwohl wir davon ausgehen können, daß G~tt sich nicht mit der Tatsache begnügt, "die Seele, die du mir eingegeben - rein ist sie" (Morgengebet), sondern von uns verlangt, ihre Bestrebungen aktiv auszuleben und die Gebote der Tora in vollem Umfang zu erfüllen, auf jeden Fall aber zieht er die Differenz zwischen den Schwächen des Körpers und der Größe der Seele mit in Berechnung.

Kein anderer Abschnitt eignet sich so sehr wie dieser, um eine ähnliche Unterscheidung der Begriffe auch auf andere Werte anzuwenden.

Nehmen wir zum Beispiel das Zerbrechen der Gebotstafeln. Der Kommentar "Schem MeSchmu'el" (5673) interpretiert die Worte der talmudischen Weisen, wonach die Gebotstafeln selbst gar nicht zerbrachen, da sich ihre Existenz in Äußerlichkeit und Innerlichkeit teilt. Beim Zerbrechen der Steintafeln machten sich die Buchstaben sozusagen selbständig, wie die Seele, getrennt vom zerbrochenen Körper. Darum kamen die zweiten Tafeln nicht als kompletter Ersatz für die ersten, sondern dienten nur als neuer steinerner Körper für die wohnungslosen Buchstaben.

Aus diesem Grund erwähnt die Tora beim Erhalt der zweiten Tafeln besonders: "..denn auf den Inhalt dieser Worte schließe ich mit dir einen Bund und mit Israel" (Ex. 34,27), und nach der Deutung der talmudischen Weisen wurde der Bund mit Israel nur über "den Inhalt dieser Worte" geschlossen, nämlich die mündlich überlieferte Tora, um zu zeigen, daß nicht die Steintafeln die Hauptsache sind, sondern der Inhalt, der uns mit der mündlichen Tora eingepflanzt wurde.

Demnach wird auch der Wert der Tora mit zwei Maßen gemessen, der "Körper" der Tora und die "Seele" der Tora. Den Körper der Tora erwirbt man durch intellektuelle Bemühungen, und die Seele der Tora durch Vertiefung des Verhältnisses des Lernenden und dem "der seinem Volk Israel Tora lehrt" (Morgengebet). In diesem Zusammenhang sollte man vielleicht den Vater des "Schem MeSchmu'el" aus seiner Einleitung zum Buch "Eglej Tal" zitieren: "Das Hauptanliegen des Gebotes vom Torastudium ist der Zustand der Vorfreude, der Freude und des Vergnügens beim Lernen, denn dann gehen ihm die Worte der Tora in [Fleisch und] Blut über".

Als zweites Beispiel wollen wir nun den Schabbat betrachten. Auch hier gelangen wir nicht zum endgültigen Wert über die tätlichen Aspekte, den "Körper" des Schabbat, vielmehr sind wir vor allem an der "Seele" des Schabbat interessiert. Die Seele des Schabbat besteht darin, ein Zeichen für die Auserwähltheit des Volkes Israel zu sein - indem G~tt uns seinen Ruhetag zur Ruhe übergab, und nur davon werden dann die auszuführenden Gesetze abgeleitet. Darum betonen wir im Schabbatgebet: "..der ihn [den Schabattag] nicht den Völkern der Länder gab". Im Gegenteil, "ein Nichtjude, der den Schabbat hält, ist des Todes schuldig", denn der Schabbat gehört seinem Wesen nach zum jüdischen Volk, und nur wer über die entsprechende Beziehung zu diesem Wesen verfügt, kann die Erfüllung der Schabbatgesetze und -ausführungen für sich beanspruchen.

Dieser Gedanke kommt in einer Erklärung der talmudischen Weisen besonders zum Ausdruck: "Die Kinder Israels sollen den Schabbat beobachten - die Tora sagt damit, daß man seinetwegen einen Schabbat entweihe [zur Lebensrettung], damit er viele Schabbate beobachte" (Joma 85b). Das Gebot der Schabbateinhaltung betrifft somit nicht nur den Einzelnen und sein Verhältnis zu G~tt, sondern verlangt von ihm eine Abwägung der Schabbathütung im gesamtgesellschaftlichen Zusammenhang. Im Falle der Lebensgefahr, die eine Schabbatentweihung notwendig macht, sollte man diese Tat gar nicht als Entweihung sehen, sondern als für diesen besonderen Fall vorgeschriebene Schabbaterfüllung. Es gibt nämlich keine größere Schabbaterfüllung als diese, nämlich einem Juden das Leben zu retten, auch wenn jenem dadurch nur einige Momente mehr der Schabbaterfüllung in seinem Leben vergönnt sind.

Dies alles wird überstrahlt durch die ewige Auserwähltheit des Volkes Israel. Auch wenn es dabei scheinbar Höhen und Tiefen gibt, wurde uns doch versprochen: "Denn der Ewige wird sein Volk nicht verlassen und sein Erbe nicht aufgeben" (Psalm 94,14).



Frage und Antwort
Warum Volk sein?
Rav Schlomo Aviner
(Leiter der Jeschiwa Ateret Kohanim/Jeruschalajim)


Frage: Unser Volk erwacht zu neuem Leben, und darüber sind wir sehr froh. Wir können jedoch den Trend der zivilisierten Welt zum Universalismus nicht einfach ignorieren, wie z.B. die Bestrebung der Völker Europas zu immer weitgehender Einheit. Warum sollte nicht die ganze Menschheit eine einzige große Familie werden? Warum sollen wir uns auf ein separates nationales Wesen versteifen, was bloß zu Blutvergießen führt?

Antwort: In der Tat finden wir bei unseren frühen Weisen bereits beide Einstellungen: "Geliebt ist der Mensch, denn er ist im Ebenbilde (seines Schöpfers) erschaffen", und andererseits: "Geliebt ist Israel, denn sie werden Kinder des Allgegenwärtigen genannt" (Mischna "Sprüche der Väter" 3,18) - aber das bedeutet keinen Widerspruch. Beide Sprüche stammen nämlich aus dem Munde einunddesselben Rabbiners, des großen Tanna'iten Rabbi Akiva.

Wohl ist die ganze Menschheit eine große Familie, alle Menschen Kinder eines einzigen Vaters und Geschöpfe eines einzigen Schöpfers, doch verfügt gleichzeitig jedes Volk über eine ureigene Besonderheit, seine eigene gemeinschaftliche Psyche, sein nationaler "Genius", oder wie sich die talmudischen Weisen ausdrückten: seinen eigenen Engel. So wie jeder Mensch eine Seele hat, hat auch jedes Volk eine Seele. Man muß den Frieden unter den Völkern stärken und gleichzeitig darauf achten, daß Globalisierung und Internationalisierung nicht den besonderen Charakter eines jeden Volkes unterdrücken.

Sicher schmerzt es uns, wenn Nationalismus manchmal zu Blutvergießen führt. Und nicht nur Nationalismus, sondern jede religiöse oder gesellschaftliche Ideologie, die von Fanatikern vertreten wird. Genauer gesagt: Nicht die Idee führt zu Blutvergießen, sondern der Fanatismus ihrer Vertreter, die keine guten Charaktereigenschaften aufweisen, die glauben, nur bei ihnen befände sich die volle Wahrheit und die einzige Gerechtigkeit, und die keine Andersartigkeit dulden können. So ist die Welt voller Kriege von nationalem, religiösem, wirtschaftlichem oder sozialem Hintergrund. Je feinfühliger der Mensch wird, je reiner und feiner sein Charakter, desto weniger werden die Kriege.

Es besteht nämlich ein innerer Widerspruch zwischen Nationalismus und Ethik. Nationalismus birgt immer einen gewissen kollektiven Egoismus. Diesen benötigt er allerdings auch, denn ein Volk muß ersteinmal an sich selbst denken, bevor es sich um andere kümmern kann, wenn es nicht Schaden erleiden will. Eine übertriebene Sorge um andere Völker kommt nationalem Selbstmord gleich.

Beim Volke Israel verhält es sich allerdings ganz anders. Sein Selbstzweck besteht nicht nur in der eigenen Existenz, sondern auch in segensreichem Wirken für die ganze Menschheit, wie es unserem Vorvater Awraham verheißen wurde, dem Urvater der israelitischen Nation: "Und ich werde dich zu einem großen Volke machen... und es werden sich segnen mit dir alle Geschlechter des Erdbodens" (Gen. 12,2-3). Wir sehen, wie er sich nicht nur um seine eigene Familie kümmert, sondern um jeden Menschen, läßt Jedermann seine Gastfreundschaft angedeihen, egal von welchem Volke und welcher Sprache. Er betete sogar für die Leute von Sdom. Darum erhielt er den Beinamen "Vater einer Menge Völker" (Gen. 17,4), der Vater des Menschengeschlechtes.

Wozu also ist eine besondere Nation nötigt? Genau wie der Mensch ein Herz braucht, braucht die Menschheit ein Herz-Volk. Rabbi Jehuda Halevi schrieb im Buche "Kusari" [eines der Hauptwerke der Glaubensprinzipien], das Volk Israel sei das Herz der Menschheit (II,36). Kein abgekapseltes Herz, kein arrogantes Herz, kein tiefgefrorenes Herz im Eisschrank, sondern ein lebendiges Herz, das allen Gliedern Leben spendet. So wie die Liebe des Herzens allen Gliedern gilt, so gilt die Liebe des Volkes Israel an sich der ganzen Menschheit. Wenn wir uns bei unserer nationalen Aufgabe besonders bemühen, durch die Stärkung der Ansiedlung des jüdischen Volkes in seinem Lande, die Stärkung seiner Armee und seines Staates, wirken wir im Grunde zum Wohle aller Menschen. Das ist keine egoistische Liebe, sondern universale Liebe.

Seit sich das jüdische Volk in seinem Lande niederzulassen begann, ging von ihm großes Licht aus, das sich auf alle Völker der Welt verteilte und ihnen Glück und Segen brachte. Wenn wir nun heute wieder in unser Land zurückkehren und dort Wurzeln schlagen, wird zweifellos wieder großes Licht an die ganze Menschheit ausgehen.

Selbst während der vergangenen Generationen, als wir so sehr unter den uns umgebenden Völkern leiden mußten, "Alle Völker haben mich umringt... sie haben mich umringt wie Bienen" (Psalm 118,10/12), haben wir nicht einen Moment aufgehört, für ihr Glück und ihren Erfolg zu beten, und wir endigen jedes unserer drei täglichen Gebete mit dem Gebet "Alenu leschabe'ach" für die Wohlfahrt und den Segen der gesamten Menschheit.

Wir lieben jeden Menschen auf der Welt, nur ist unsere Liebe für das Volk Israel noch tiefer. Was wir jetzt tun müssen, das ist die Verstärkung der Bande der Liebe unter uns selber, und wenn wir dieses Werk vollendet haben, dann können wir uns an die Herstellung des Weltfriedens machen.



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  • date: Sonntag, den 12. März 2006 um 00:00 Uhr / י"ב אדר תשס"ו
  • Kategorie: Betrachtungen zum Wochenabschnitt
  • Rabi: Das Blatt zum Wochenabschnitt
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